Mark Wachholz vom Alveran.org Forum kritisiert in diesem Threat, dass die Kritiker immer an der falschen Stelle kritisieren, dass sie zu wenig meinungsbildend vorgehen, sich verzetteln (,und noch ein paar andere Sachen). Ja, er wirft der deutsche RPG-Blog-Szene sogar vor Tot zu sein.
Was ist da nun dran?
Ließt man die deutschen RSP-Blogs, so findet sich relativ wenig Kritik an Produkten der DSA-Reihe, oder auch anderer Rollenspiele und ihrer Produkte, da hat Mark nicht ganz unrecht.
Was man hingegen viel findet, sind Werkstattberichte eigener Produkte, Spielberichte, Tipps zu Spiel und Leiten.
Und dort liegt auch meiner Meinung nach das, was Mark übersieht. Wir sind Rollenspieler, wir sind sind kreativ tätig. Wir meckern nicht, wir packen an.
Uns passt die Lage einer Stadt nicht, dann verschieben wir sie. Uns passt die Größe eine Kontinentes nicht, wir passen die Größe an. Uns passt die Wirkung einer Regel nicht, wir schaffen eine Hausregel.
Im Gegensatz zu Büchern oder Filmen, ja sogar Brett- oder Kartenspielen, müssen wir nichts so nehmen, wie die Verlage und Autoren sie uns liefern. Wir können alles für unsere Zwecke beliebig anpassen, ändern und ignorieren. Und wir sind es gewohnt, es ständig zu machen. Sonst könnte keiner von uns leiten.
Unsere Kritik liegt nicht darin, dass wir dicke Rezensionen schreiben, oder ausführlich unsere Kritik in Threats äussern, nein, wir kritisieren, in dem wir Hausregeln machen, Karten verändern, und eigene Metaplots schaffen.
Warum 2 oder 3 Stunden investieren, einen ausgefeilten Text zu schreiben, um meine Kritik in Worte zu fassen, um zu beschreiben, wo ich die Inkonsequenzen im Regelwerk sehe (zum Beispiel bei DSA, dass es 2 Hauptwürfelsysteme plus einen Haufen Nebenwürfelsysteme gibt), wo ich die Schwierigkeiten in Szenarioentwürfen sehen (zum Beispiel bei DSA, dass sowohl “Von eignen Gnaden” als auch “Die Herren von Chorhop” kaum Aussagen zur Wirtschaft treffen), als auch im Metaplot (zum Beispiel bei DSA, warum es einfach nur unlogisch ist, dass die Fliegende Festung in Gareth abstürzt, obwohl es der Praiospriesterschaft ein leichtes gewesen wäre, sie weit vor der Stadt zum Absturz zu bringen). Ich kann in der Zeit lieber den Metaplot drehen, die Tabellen entwickeln, und die Regeln anpassen.
Mark fordert in seinem Beitrag ganz konkret, dass, “denen das Hobby so viel bedeutet, dass sie Zeit und Energie aufwänden”, und ich sage, genau das passiert. Sie machen nur nicht dass, was Mark im zweiten Teil des Zitates anführt “um auch umfassende Kritik zu äußern“, sondern sie nutzen diese Energie, um Sachen für sich zu ändern. Und mit etwas Glück machen sie diese Änderungen öffendlich.
Warum sind dann die Foren voll mit Kritik. In Foren bekommt man einfach am schnellsten und am meisten Feedback (und sei es in Form von Sockenpuppen). Will ich mich selbst dastellen, oder einfach nur Luft ablassen, ist ein Forum das ideale Medium. Ein Blogartikel, der, wie Mark schon richtig bemerkte, ausgefeilter ist, und eine Öffendlichkeit erreichen will. Da ich eine Situation für mich im Spiel bereits geändert habe, oder Pläne habe, sie zu ändern, warum dann noch den Verlag kritisieren. Besser ist es doch, meine Änderung zu veröffendlichen.
Jetzt kann man natürlich sagen, dass sich dann aber auch nichts an der Gesamtsituation für das Produkt ändert. Das ist richtig. Aber für die langfristige Änderung üben wir unsere Kritik unbewußt aus. In dem wir dem Rollenspielladen fernbleiben, und eben kein Produkt kaufen. Wir machen es ja eh selbst.

