Das Buch “Methodische Spielleitung” von Florian Berger befasst sich mit dem Verfassen von Abenteuern, welche keinen linearen Verlauf haben sollen.
Das 58 seitige Buch ist unterteilt in 2 große Kapitel.
Im Ersten, genannt “Vor dem Spiel”, wird von der mit linear geplanten Abenteuern einhergehenden Problematik berichtet, insbesonderer der, dass sich Spieler in ihren Ideen dadurch gegängelt fühlen, und der Spielleiter seine Arbeit als zu wenig gewürdigt sieht, sobald die Spieler mit seinen Ideen versuchen zu brechen.
Als Alternative wird vorgeschlagen, dass Abenteuer nicht linear zu planen, sondern als eine Vielzahl an Situationen, von welcher die eine zu der anderen führt. Situationen können in diesem Zusammenhang Informationen, Personen oder Orte sein. Dieser Wechsel von linear zu nicht-linear wird durch kleine Schritte von einem zum anderen erläutert.
Die vorgeschlagene Methode mögliche passende Einzelszenen zu erstellen, und diese dann passend an einander zu fügen, wird gut beschrieben, und ist sicherlich hilfreich beim Übergang von linearen Abenteuern hin zum sehr Freispielen. Eine Lösung des Autors von Hier fang ich an zum Hier Ende ich, ist teilweise zu erkennen, aber der Schritt scheint nicht vollständig gegangen.
Auf fortgeschrittene Themen zur Vorbereitung wie Flag framing und Relationship-Maps geht der Autor gar nicht erst ein, auch das Thema der Entwicklung einer Kampagne wird nicht angeschnitten.
Das zweite Kapitel, “Im Spiel”, gibt Techniken für den Ablauf beim Spielabend, konkret zum Einstieg, zum Spannungsaufbau und zu Techniken zum Schauplatzwechseln und Trennung von Gruppenmitgliedern.
Der Tip, das jeder Spielabend mit einem klaren Einstieg beginnt, der fest vorgegeben ist, ist sehr empfehlenswert, aber schon fast selbstverständlich. Von der Idee, die Charaktere gleich zu Beginn an einem fremden Ort oder in einer fremden Zeit aufwachen zu lassen, kann man eigentlich nur abraten, da die meiste Spieler eher abwehrend reagieren, wenn mit ihren Chars etwas passiert, was sie nicht mitkriegen.
Die Idee, die Spieler kurzzeitig in andere Charaktere zu stecken, um Out-Time-Szenen mit zu erleben ist gut gemacht.
Warum im Unterkapitel 2.2. (“Spannung und Improvisation”) das Wort Improvisation vor kommt, ist mir leider unklar geblieben, weil zu Improvisation nicht mehr gesagt wird, als ein halber Satz. Wer hier Tipps erwartet, wird leider enttäuschtwerden.
Das Buch selbst kommt als kleines Taschenbüchlein in weißem Einband daher, ist solide gebunden. Das Cover ist sehr spartanisch, hat aber gerade dadurch seinen Reiz.
Das Kapitel zum Teilen der Gruppe im laufenden Abenteuer ist ganz gut, auch wenn die meisten Techniken eigentlich sehr intuitiv sind.
Zusammenfassend läßt sich sagen, dass das Buch für einen Anfängermeister sicherlich gut ist, für fortgeschrittene Spielleiter lohnt es sich nicht. Der Titel “Methodische Spielleitung” ist masslos überzogen, da wichtige Themen der Spielleitung ausgelassen werden (wie das ganze Kapitel Kampagnenplanung z.B.). Also sollte niemand zu viel davon erwarten.
Schlagworte: Kritik, Rezension, Spielleiten
Schön kritische Rezi, nur einen Punkt verstehe ich nicht so recht:
“Das Kapitel zum Teilen der Gruppe im laufenden Abenteuer ist ganz gut, auch wenn die meisten Techniken eigentlich sehr intuitiv sind.”
Das klingt irgendwie negativ, dabei sollte man meinen das Intuitiv anwendbare Technik was positives sind!? Oder willst du damit andeuten das die Techniken eher schlecht beschrieben mehr vom Autor “intuitiv umrissen” sind, als das sie wirklich etwas nützen?
Finde die Rezi sehr gut, als jemand, der das Buch auch gelesen hat.
Der zweite Teil ist der Tat etwas mau, aber trotzdem gut. Ich glaube, das “intuitiv” meint vor allem, dass man das eh so machen würde. Glaube ich allerdings nicht, bzw. weiß ich auch eigener Erfahrung, dass das leider oft anders läuft, als hier angerissen. Auch die Aufforderung hier mit Cliffhanger zu arbeiten, ist ein guter Tipp.
Wenn der zweite Teil besser wäre, und insgesamt mehr “Details” drin steckten, dann wäre das Buch auch was für alte Hasen.
[...] deutschen Markt. Einmal hätten wir da “Methodische Spielleitung” (Rezension hier bei ChaosAmSpieltisch); ich frage mich allerdings, ob es für mich irgendeinen Mehrwert hätte. Einem Rezensionsexemplar [...]
Sorry, wenn ich vergesse zu antworten, im Moment ist viel Stress auf Arbeit (bei uns wird einiges umstrukturiert)
Das nicht alle diese Dinge als Intuitiv bezeichnen mag sein, mir sind sie immer so vorgekommen. Es ist nicht negativ gemeint gewesen, oder um es mit den Worten eines mir unbekannten Spielleiters zu sagen “Irgendwie machen wir das alles richtig, trotzdem gut, dass das mal einer so sagt” (King Con III, Relationsship-Maps Workshop)